Waruno Mahdi’s

Virtuelles WebLOG — Deutsch IV
— Migranten, Einwanderer, Muslime, Asylanten usw. —

WM
HINWEIS: Die auf dieser Seite zum Ausdruck gebrachte Meinung ist auschließlich die des Autors allein.
 
Datum:  16. Januar 2017
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Steinbach verlässt die CDU (15.01.2017, S. 2) / Rechts raus (16.01.2017, S, 4)

Wirklich zum totlachen, wenn nicht so tragisch. Ausgerechnet eine ehemalige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen stellt sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin.

Sollte man statt "Flüchtlinge" vielleicht "Vertriebene" sagen damit die dusselige Heuchlerin die Ironie des ganzen kapiert? Es würde vielleicht außerdem helfen, falsche Flüchtlinge von echten zu unterscheiden. Flüchtlinge aus dem zerbombten Aleppo, und nicht nur die, sind ja in Wirklichkeit Vertriebene.

Wie dem auch sei, Frau Steinbach wurde zu keiner Zeit von irgendwoher vertrieben. Als Tochter einer aus Bremen stammenden Mutters, und eines aus Hanau stammenden Vaters, wurde sie während des Krieges in einer Ortschaft in heutigem Polen geboren, wo ihr Vater gerade stationiert war. Mutter und Tochter sind dann vor der heranrückenden Roten Armee nach Schleswig-Holstein Geflohen. Sie stammten nicht aus Ostpreußen, Schlesien, Böhmen oder Mähren, sondern waren eigentlich Heimkehrer, oder bestenfalls Flüchtlinge, jedoch keineswegs Vertriebene.

Inzwischen erwachsen geworden, will die ehemalige geflüchtete nun etwas gegen Flüchtlinge haben? Vielleicht schenkt ihr jemand einen Spiegel.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Betreff: Gerhard Casper: Wilde Horden. Auch die Gründer der USA misstrauten Zuwanderer.
(“Der Tagesspiegel” vom 07.05.2016, S. 6)
 (nachträglich vollkommen umschriebener nicht-gedruckter Leserbrief)

Den Beitrag von Mr. Casper im Tagesspiegel habe ich mit großem Interesse und Freude gelesen. Er brachte mich zu weiteren Gedanken über das Thema, von denen ich hier einiges erwähnen möchte.

In der Tat kommen Zuwanderer nicht nur in Deutschland oder gar Europa, sondern auch in Amerika. Mehr noch, sie kamen und integrierten sich dort nicht nur während der ganzen Geschichte der USA, sondern bereits lange davor waren auch alle Indianervölker Zuwanderer. Und Misstrauen gegenüber Zuwanderer gab es natürlich nicht erst seit der Kampagne des Gott-sei-dank unerwähnt gebliebenen Donald Trump.

Auch in Europa fing Zuwanderung und Integration bereits mit den ersten Menschen (Homo sapiens) an, die hier auf Neandertaler trafen. Aufgrund der DNA weiss man, dass es Kreuzungen mit denen gab. Ein Völkervermischungsprozess setzte sich fort während der ganzen Geschichte: Perser, Phönizier, Römer, Goten, Hunnen, Magyaren, Mongolen, usw., usw. Jede Armee hinterlässt bekanntlich ihre Kinder. Bei Engländern hat man Gene von Schwarzafrikanern entdeckt, die vor zwei Jahrtausenden eingeführt wurden. Es stellte sich heraus, dass Julius Caesar in seinen Legionen auch Soldaten aus Afrika hatte. Kurz gesagt: “Reinrassige” Völker gibt es nicht. Die Deutschen sind nicht anders als die Anderen.

Auch in den letzten Jahrhunderten hat man in Deutschland die Hugenotten zu sich geholt, dann polnische Minenarbeiter, Osttürkische Hilfsarbeiter, von Griechen, Italienern, Spaniern und Portugiesen erst gar nicht zu reden. Nicht zu vergessen, die Rote Armee mit ihren russischen, aber auch ukrainischen, georgischen, armenischen, aserbaidschanischen, sowie kasachischen und anderen zentralasiatischen Soldaten. Dann wären da noch die Soldaten der westlichen Alliierten, Amis inklusive. Unter den letzteren waren auch Afroamerikaner, dessen Nachkömmlinge wir hierzulande hin und wieder im Alltag begegnen.

Die meisten sind längst integriert. Die jetzt gekommenen Syrier und anderen Flüchtlinge wären auch viel schneller integriert und für die Wirtschaft hilfsreich geworden, wenn ihre sprachliche Integration nicht wie bis vor kurzem künstlich von den Ämtern verschleppt wurde.

Sprache ist hier von grundsätzlicher Bedeutung. Seit den Urmenschen war Sprache das Hauptkennzeichen, wonach “die Unseren” von “den Anderen” unterschieden wurden. So stammt das Wort “Barbar” aus dem Griechischen, wo es jemanden bezeichnete, der schlecht oder kein Griechisch sprach. Im alten China nannte man diese “Barbaren” entweder Yí oder Mán. Die ersten europäischen Besucher waren für sie “die rothaarigen Mán“. Sogar bei kannibalischen Urvölkern, durfte man nur “die Anderen” zum verspeisen töten. Also ist das Misstrauen gegenüber sich fremdsprachlich ausdrückende “Mitbürger” weder “typisch deutsch”, noch überhaupt etwas neues oder außergewöhnliches.

In dieser Hinsicht ist die sprachliche Integration in unseren gefühlt unsicheren Zeiten (waren die jemals “sicher”?) besonders wichtig. Es sind die schlecht integrierten Jugendlichen, die, ohnehin bereits in ihrer kulturellen Mischidentität verzweifelt, leichte Beute für fundamentalistischen Rattenfänger werden. Die fehlgeleitete Politik, Asylanten das Leben schwer zu machen in der Kalkulation, die Flüchtlingsströme dadurch abzubremsen, hatte wohl eher den Effekt, dem Terrorismus Vorschub zu leisten.

Aber schuldig will natürlich keiner gewesen sein.

Datum:  06. Januar 2016
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Zu Hause in der Fremde —
— syrisch, muslimisch, deutsch (TSp. v. 04.01.2016, S. 6)

Mein Leserbrief wurde freundlicherweise am darauf-folgenden Sonntag veröffentlicht:

Datum:  11. Oktober 2015
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Harald Martenstein: “Klug ist das nicht” (11.10.2015, S. 1)

Ich freue mich immer auf Harald Martensteins humor- und zugleich einsichtsvolle Sonntagskolumne. Dieses Mal habe ich da jedoch leider etwas vermisst.

Es mag sein dass Frau Angela Merkel viel übrig hat für die Romantik und Pathos von Wagner. Ihr weltanschaulicher Horizont geht jedoch viel, viel weiter, womöglich viel weiter als bei einem, dessen höhere Ausbildung nicht im Osten erfolgte, wo man gezwungen wurde, sich auch mit der dialektischen Logik auseinander zu setzen.

Bereits vordergründig stellt es sich heraus, dass die Flüchtlingsflut ins Land zu einer positiven Wirkung auf die einheimische Wirtschaft und Beschäftigungslage hat. Noch wichtiger ist dass die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge lernfähige, intelligente, arbeitswillige, kultivierte junge Männer aus der bildungsnahen Mittelschicht kommt. Sie wollen und werden schnell Deutsch lernen und einen Handwerk oder akademischen Beruf. Sie kommen also bei dem gegenwärtigen Arbeitskräftemangel gerade zu rechten Zeit.

Aber auch das ist noch nicht der Höhepunkt. Kommt Zeit, und Frieden wird in Syrien und Irak kommen. Tunesien lässt grüßen. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlingen wollen dann bekanntermaßen wieder zurück, um ihre Heimat wieder aufbauen zu helfen. Sie haben in Deutschland gelernt, und hier Erfahrung in technischen Berufen erhalten. Drei mal dürfen Sie jetzt raten, aus welchem Land sie dann das technische Know-How, und vor allem die benötigten industriellen Produkte importieren werden: den USA? Russland? China?

Also lassen wir die Seehofers bei den Seehofers. Angela Merkel gehört einer politischen Kategorie an sich. Da kommt ein Punkt, wo sich "klug" in "weise" umschlägt, oder um sich weniger pathetisch auszudrücken, schlicht und einfach in "vorausschauend". Es sind doch nur die selbsternannten Rationalisten, die Moral für etwas Nicht-Realitätsbezogenes halten.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  27. September 2015
An: Den Tagesspiegel
Betreff: 70 Jahre TAGESSPIEGEL (27.09.2015, Ss. 1-63)

 
 
 
 
Mein Leserbrief wurde freundlicherweise eine Woche später veröffentlicht:

Datum:  26. September 2015
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Ordnungswidrigkeiten (25.09.2015, S. 3)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich wieder bewiesen als eine Politikerin, die sich nicht einfach von immer neu auftauchenden Problemen herantreiben läßt, sondern diese aktiv anpackt um nach Lösungen zu suchen.

Auch in der jetzigen Flüchtlingsfrage ist das Gefühl, das offenbar einige Unionspolitiker beschleicht, dass Frau Merkel keinen Plan hat, nachweislich falsch. Nicht nur hat sie aktiv nach Zusammenarbeit innerhalb der EU gesucht, sie hat vor allem Kontakte sowohl mit Barack Obama, wie auch mit Vladimir Putin aufgenommen um nach Lösungen für die Konflikte in Syrien und Irak, die Ursachen der Fluchtlingsströme, hin zu wirken.

Der Besuch von Sigmar Gabriel in einem Flüchtlingscamp in Jordanien, und Angela Merkels Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen und die von ihr versprochene Erhöhung des Deutschen Beitrags zur Bekämpfung von Hunger und Armut sind konkrete Beiträge zur Lösung des Flüchtlingsproblems.

Dass Flüchtlinge mit Vorliebe nach Deutschland wollen ist nicht einfach die unmittelbare Folge der gastfreundlichen Haltung Angela Merkels. Während der ganzen Amtszeit Merkels hat sich das Deutschlandbild in der Welt wesentlich verbessert. Während lange Zeit das altbackene Bild des hässlichen Deutschen immer wieder in Filme zu sehen war, gilt der Deutsche mittlerweile als einer der freundlichsten und Guten der Welt, nicht nur unter Flüchtlinge.

Indem Herr Seehofer den ungarischen Premier Viktor Orbán zu sich einlud und die Gelegenheit gab, Merkels Politik als "moralischen Imperialismus" zu verunglimpfen, gab er und Orbán nur zu, auf der Seite des Unmoralischen zu sein. Politischer Konservatismus hatte immer etwas ganz anderes geheißen.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  31. August 2015
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Die europäische Fluchtlingskrise: Die Schlepper und ihre Wege (31.08.2015, S. 2)

Vielen Dank für diesen sachlichen und gut recherchierten Bericht über das Wirken der Flüchtlings-schlepperbanden. Das Problem ist zwar in der tat schwer zu lösen, jedoch nicht zuletzt wegen uns selbst.

(1) Hunderte, wenn nicht Tausende von Flüchtlingen, darunter viele Frauen und Kinder, sterben unterwegs. Sind wir darüber traurig? Wenn ja, wie ich doch sehr hoffe, dann bedeutet das: Wir wären froh wenn sie alle überlebten, und Hunderte bzw. Tausende mehr ihr Fluchtziel erreichten.

(2) Falls das "Ja" als Antwort zur obigen Frage ehrlich war, dann gäbe es eine relativ einfache Lösung: Man organisiert eigene Hilfsdienste als Konkurrenz zu den Schlepperbanden, statt erst die überlebenden auf dem Mittelmeer zu retten. Kostenfrage? Man läßt die Flüchtlinge zahlen, genauso wie sie die Schlepper bezahlten, aber man bietet seine Dienste etwa zum halben Preis und mit weit besseren überlebenschancen. Humaner geht es doch nicht.

(3) Das kann aber natürlich nur als Kurzzeitlösung funktionieren, denn sonst hätten wir irgendwann die halbe Erdbevölkerung hier. Die Langzeitlösung liegt nämlich in der Bekämpfung der Ursachen, weshalb da so viele Flüchtlinge unterwegs sind. Ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kalten Krieges sollten die Vereinigten Nationen sich endlich zusammenraffen um Wege zu finden, die Ursachen der Flüchtlingsströme zu beseitigen. Dass sind ja nicht Naturkatastrophen von denen sie fliehen. Allem voran hätte man den Assad bereits längst als Verbrecher gegen die Menschlichkeit vor einem internationalen Tribunal anklagen sollen. Desgleichen auch ISIS, Boku Haram udgl. mehr.

Man verurteilt zu recht die Brutalität der Schlepperbanden, aber so lange wir nicht bereit sind, gesicherte Fluchtwege als Alternative anzubieten, und nichts gegen die Verursacher der Flüchtlingsströme unternehmen, machen wir uns mitschuldig.

Die hohe Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist sehr lobenswert. Sie unterstreicht das neue Bild des Deutschen, das von keinen Rechtsradikalen mehr verleumdet werden kann. Aber man darf nicht verlangen, dass die hilfsbereiten Bürger auch noch die Schlepperbanden außer Konkurrenz setzen, oder gar Assad, ISIS usw. zerschlagen. Das ist Aufgabe der Politiker, und man kann nicht behaupten dass sie darin sonderlich eifrig sind, leider.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  05. Juli 2015
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Mercedes kommt von Straße ab: Passant schwebt in Lebensgefahr (03.07.2015, S. 12)

Ich hatte geplant, gestern an Ihrem Sommerfest teilzunehmen, und möchte Sie ausdrücklich für ihre freundliche Einladung danken. Leider war einiges dazwischen gekommen und ich anderes zu tun hatte.

Der 77-jährige Schwerstverletzte und seine ebenfalls verletzte 55-jährige Ehefrau sind gute Bekannte von mir. Beide sind, wie ich, indonesischer Abstammung, die Frau immer noch indonesische Staatsbürgerin. Der Mann ist ein Kumpel seit fast 50 Jahren, der wie ich einige Jahren als Exilant in einer sowjetischen Kleinstadt verbringen musste (in einer anderen als ich). Er ist dann, noch vor mir, auf Asylsuche nach Deutschland gekommen. Hier hat er eine aus der Heimat gekommene Frau geheiratet. Sie haben einen Sohn, der inzwischen Student an der Technischen Universität Berlin ist.

Der schwerverletzte Mann — Hirnblutung, geschädigte Leber, Rippenbrüche mit dadurchverletzen Lungen, Beidseitige Beinbrüche — befindet sich weiterhin in künstlichem Koma. Die Frau mit schweren Knochen-brüche am rechten Bein und rechten Arm, liegt in einem anderen Krankenhaus. Da seine Eltern von der Nothilfe in zwei verschiedene Kliniken eingeliefert wurden, muss der Sohn in Mitte der Prüfungszeit täglich hin und her fahren.

Der 26-jährige Mercedesfahrer, der Sie auf dem Gehweg überfahren hatte, soll wieder auf freiem Fuß sein. Ob ihm wenigstens der Führerschein abgenommen wurde ist mir nicht bekannt. Der verletzten Frau, die ja bei Bewusstsein liegt, und ihrem Sohn ist bis jetzt noch nicht mitgeteilt worden, welche rechtliche Schritte die Justiz überhaupt gegen dem Amokfahrer (etwa wegen schwerer Körperverletzung) vornehmen will.

Mit traurigen Grüßen,
Waruno Mahdi


Nachtrag: am 19. Juli, als dies online gestellt wurde, befand sich der Mann immer noch in Koma..

Datum:  06. Dezember 2014
An: Den Tagesspiegel
Betreff:  Tausend trauern um Tugce (04.12.2014, S. 28)

Vielen Dank für den umfassenden Bericht von Herrn Giammarco über die Trauerfeier und Bestattung von Tuǧce Albayrak. Ihr Akt der Zivilcourage hat zurecht große Bewunderung und Respekt für die junge Muslima sowohl in der Allgemeinheit. wie auch seitens führender PolitikerInnen dieses Landes hervorgerufen.

Besonders wichtig ist wie mir scheint, dass sie mit ihrer Tat auch hohes Ansehen in der muslimischen Gemeinde erhalten hat, was auch der Imam in seiner Rede vor der Moschee von Wächtersbach zum Ausdruck brachte.

Es ist bezeichnend dass die Salafisten und ähnliche angeblich islamische Fundamentalisten offenbar nichts dazu zu sagen haben. In der Tat, liegt wahre Courage nicht darin, als Dschihadisten in Syrien oder Irak unschuldige Zivilisten, insbesondere Frauen und Kinder, mit "Körper-Bomben" zu töten.

Hier hat jetzt eine Muslima ihnen vorgeführt, was wirklich Courage ist. Mir scheint es wichtig, dass insbesondere junge Muslime im Lande hiervon erfahren, damit sie nicht Opfer von fundamentalistischen Rattenfängern werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)

Datum:  19. Januar 2014
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Dem Frieden eine Chance (12.01.2014, S. 10)

Es ist sehr erfreulich, dass die Berliner Politik (zumindest vorerst) friedlich nach einer Lösung des Problems des Flüchtlingscamps am Oranienplatz suchen will. In der Tat ist weder der Berliner Senat, noch um so weniger der Kreuzberger Bezirk für die missliche Lage der Flüchtlinge verantwortlich, sondern der Bund.

Diese Flüchtlinge haben mit großer Gefahr für Leib und Leben ein Land erreicht, wo sie endlich Freiheit zu finden hofften, und werden ausgerechnet in diesem freiheitlich demokratischen Land nun dafür mit Verbannung und Berufsverbot bestraft! Dabei hat ihnen unser Grundgesetzt versichert -- und tut es auch immer noch für diejenigen von uns, die seine Gültigkeit bedingungslos anerkennen und respektieren -- dass nicht die Würde nur des Deutschen, oder gar nur des EU-Bürgers unantastbar sei, sondern die Würde des Menschen!

Die schlichte und einfache Lösung des Problems wäre deshalb, das Verbot zu Arbeiten für Flüchtlinge aufzuheben. Das brauchte man sowieso doch nur dafür, um den Bürgern vorzugaukeln dass die Flüchtlinge einfach Schmarotzer wären, die nur hinter unsere Sozialhilfe seien. Die Flüchtlinge wollen jedoch arbeiten, damit sie sich und Familie ernähren könnten; ja, und auch Steuern zahlen!

Das Land braucht mehr Arbeitskräfte, und der Staat mehr Steuereinnahmen, also wie lange sollen da die Mühlen der Bundespolitik noch mahlen?

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  29. Juli, 2012
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Das provisorische Leben (14.10.2012, S. 8)

Das Problem so wie ich es sehe ist eine Medaille mit zwei Seiten.

Die eine Seite der Medaille ist dass ein politischer Flüchtling weder auf den Schutz durch die diplomatische Vertretung seines Heimatlandes, noch hinreichend Sprach- und Rechtskenntnisse hat um selbst sein Recht vor den Verwaltungsbeamten zu verteidigen. Letztere müssen dabei nicht einmal Angst haben, in Ausnahmefällen gerichtlich unrecht zu bekommen, denn alle anfällende Gerichts- und andere Kosten zahlt der Steuerzahler.

Die andere Seite der Medaille ist dass Artikel 1, Satz 1, der Verfaßung 
          « Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt»            
lautet, und jeder Beamte sich beim Amtsantritt mit seinem Beamteneid verpflichtet, dass er die 
          « Verfaßung und Gesetze befolgen und verteidigen»            
werde.

Also kann das alles gar nicht geschehen, oder sind das Halluzinationen? Ich meine, seit der Zeit als ich politisches Asyl beantragte (und es nach 5 Jahre auch bekam) sind 35 Jahre vergangen. Ist doch irre, dass diese Halluzination immer noch fortdauert.

Angeblich brauchen wir junge lernbereite Menschen. Jetzt kommen da welche ganz freiwllig auch ohne Greencard, bei denen man keine Angst haben muss, die wären auf der Durchreise in die Vereinigten Staaten, und man bestraft sie mit langzeitiger Sozialquarantäne! Damit sie blos keine Gelegenheit bekommen, sich für unsere Wirtschaft nützlich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  29. Julir 2012
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Harald Martenstein: Berliner Feindbilder (29.07.2012, S. 1)

Hihi, ganz köstlich! Ist das schon der Hip-Krieg? (Hippies gegen Hipsters und umgekehrt?).

Aber, vergessen wir nicht auch die positive Seite zu notieren: Offenbar haben die Kampagnen gegen Fremdenfeindlichkeit inzwischen so viel Erfolg gehabt, dass man nicht mehr über Türken, Araber, Afrikaner, Inder und sonstige biologisch andersaussehende Mitbürger mit Migrationshintergrund meckert. Was macht denn jetzt der meckerbedürftige Berliner? Na Gott sei Dank wird die Stadt nunmehr von Massen von Touries überschwemmt. Ach, wenn nur Heinrich Zille das miterleben könnte.....

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  16. Juni 2012
An: Den Tagesspiegel
Betreff: “Waldjunge Ray” ist Robin, der Holländer (16.06.2012, S. 17)

Sie meinen zum Schluss: “Immerhin habe der Junge die Ermittler monatelang an der Nase herumgeführt”. Ich meine aber, richtig wäre viel mehr: “Die Ermittler haben sich zehn (!) Monate lang von dem Jungen an der Nase herumführen lassen!”

Denn, wie ich bereits in meinem Leserbrief vom 26.02.2012 (zu “Der Junge ohne Vergangenheit”, TSp. 26.02.2012, S. 12) schrieb, hätte man nach der Art, wie er Englisch sprach gleich seine Nationalität feststellen können. Es schaffen nicht einmal die erfolgreichsten auf Englisch singenden niederländischen Popsänger, ihre eigentliche Herkunft gänzlich zu verschleiern. Wir haben in Berlin viele Englisch-Dolmetscher, sowie Mitarbeiter und Lehrer oder Dozenten bei englischen Sprachkursen, Übersetzungsdiensten und Anglistik-Abteilungen der FU und HU. Man hätte sie nur fragen müssen.

Statt also den Jungen zu verfolgen, sollte man lieber eine interne Ermittlung gegen die verantwortlichen Beamten führen. Den Jungen könnte man danach dafür bedanken, dass er geholfen hatte eine so haarsträubende interne Unzulänglichkeit aufzudecken. Er hat zweifellos Talent, man sollte ihn bei uns behalten.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi


 
Datum:  26. Februar 2012
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Der Junge ohne Vergangenheit (26.02.2012, S. 12)

Bereits als ich im vorigen Jahr das erste Mal über den Fall las, hatte ich mich gewundert, jetzt also um so mehr, dass die Ermittler offenbar so “hilflos” bei der Feststellung des Herkunftlands des Jungen seien.

Erstens, ist aus Ihrem Bericht jetzt, wie ach damals, nicht erkennbar, ob der Junge überhaupt schreiben kann, und wenn ja, in welcher Sprache, und wenn in Englisch, ob in amerikanischem oder britischem (wegen der unterschiedlichen Rechtschreibung).

Zweitens, völlig davon abgesehen ob er schreiben kann, scheint niemand sich darüber zu interessieren, mit welchem landes-, regional-, und/oder sozialspezifischen Akzent (Dialekt) er spricht. Allein nur in England (was nur ein Teil Großbrtanniens darstellt), werden mehrere ziemlich klar unterscheidbare Dialekte gesprochen. Aufgrund seines gesprochenen Englisch wäre auch einen eventuellen australischen Ursprung (trotz britischer Rechtschreibung) zu erkennen.

Außerdem bleibt aus dem Bericht unklar ob die "frischen sauberen Klamotten" des Jungen aus Deutschland sind, und wenn ja, ob erkennbar aus welchem Supermarkt oder örtlichen Kleinladen. Falls sie gewaschen sind, mit was für einem Waschmittel, das wo gekauft/geklaut wurde?

Wenn also Sandra Dassler da richtig nachgefragt hat, haben die zuständigen Behörden sich wohl überhaupt keine Mühen genacht, herauszufinden woher der Junge stammt.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  27. November 2011
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Barbara John: Ein Zwischenruf zum Grillverbot (27.11.2011, S. 6)

Frau John hat sicherlich recht. Ich möchte aber eine weitere mögliche Lösung des Problems vorschlagen, die wie mir scheint etwas praktikabler sein könnte.

Auch bis jetzt hatten nicht nur private Familien und Gruppen am Tiergarten gegrillt, sondern es wurden auch Grillveranstaltungen mit besonderer Genehmigung gehalten. Dabei waren die Organisatoren auch für Ordnung und Müllsammlung und -beseitigung verantwortlich. Grillen müsste jetzt also nur noch eingetragenen Vereinen und besonders angemeldeten Veranstaltern erlaubt sein, die für die Ordnung und Müllbeseitigung verantwortlich wären. Dann könnten Familien und Gruppen nur noch grillen, wenn sie Mitglieder eines entsprechenden Vereins sind, und beim Verein einen Grilltermin registriert haben. Bei Vermüllung müsste der entsprechende Verein eine hinreichend hohe Strafe zahlen.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  13. März 2011
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Zentralrat der Juden: Islam wichtiger Teil (13.03.2011, S. 6)

Hut ab dem Zentralratspräsidenten, Herrn Graumann. Denn die vom neuen Innenminister Friedrich geäußerte These über die "christlich-jüdische" geschichtliche Kulturtradition Deutschlands birgt in sich, wenngleich vielleicht unbewusst, nicht nur eine verschleierte Holocaustleugnung in sich ("jüngste" Geschichte ist ja auch Geschichte).

Wenn man einmal auch die Religion zum Integrationsmerkmal deklariert, würde sich das konsequent ausgeführt nicht nur die Konvertierung aller Muslimen zum Christentum bedeuten, sondern auch aller Juden, Hindus, Buddhisten, Agnostiker, Humanisten, usw. Und müssten dann Evangelische in Bayern zum Katholizismus übertreten? Was ist mit Russich-, Serbisch-, Syrisch- und anderen Orthodoxen, Kopten, usw. mit Migrationshintergrund?

Mit der sprachlichen Integration ist das nicht anders. Sollten nun alle nach Bayern ziehende "Scheiß-Preiße" lernen mit bayrischem Akzent zu sprechen? Und was ist mit den Ostfriesen? Nein, denn Ostfriesich, nicht anders als Dänisch und Sorbisch, sind in der Bundesrepublik gesetzlich anerkannte "einheimische" Sprachen. Also wie will man eine für allen einheitliche Sprachkenntnis gesetzlich festlegen?

Sowohl Friedrich, wie auch Seehofer, haben zweifellos den nötigen Bildungshintergrund um von diesem Sachverhalt bewusst zu sein. Es handelt sich hier also um nichts anderes als an Stammtischrunden gezielte populistische Volksverdümmung nach Vorbild von Thilo Sarrazin.

Nur noch einen Punkt: Der arabisch-islamische Komponente in der europäischen Kulturtradition im allgemeinen, und in der deutschen im besonderen, beschränkt sich nicht auf zahlose Wörter arabischen ursprungs und den Spruch "ex orient lux". Im späten Mittelalter gehörte Kenntnis der arabischen Sprache zum Muss für jeden Scholasten und Wissenschaftler, der etwas von sich hielt. Etwas weniger bekannt vielleicht, wurde ein "dsch"-Laut in Fremdwörtern im 16. Jahrhundert gelegentlich mit dem Buchstaben "G" geschrieben (z.B. "Gonchium" für "Dschunke" in einer Länderbeschriebung aus dem Jahr 1534 von Michael Herr). Der Clou dabei: Das Wort gelang nach Europa über Arabisch, in welchem der Buchstabe "dschim" in den in Asien gesprochenen arabischen Dialekten als "dsch", in Ägypten und den maghribischen Ländern jedoch als "g" gelesen wird. Bei "Dschunke" ist die Schreibweise nachträglich "korregiert" worden. Aber z.B. bei "Gecko" (statt "Dschecko") ist das "G" erhalten geblieben, wohl weil sich die Lesart mit "g" verfestigt hat.

Und letztendlich, wollen die Herren von der CSU uns tatsächlich weismachen dass "Aladin und die Wunderlampe" und "Ali Baba und die vierzig Räuber" (erste deutsche Übersetzung im späten 18. Jh.) sich nicht bereits längst unter den deutschen Kindergeschichten "integriert" haben? Wir leben in einer kleinen, vollglobalisierten Welt. Die deutsche Wirtschaft hängt großenteils vom Welthandel ab. Während einige der Konservativen Deutsch als Pflichtsprache gesetzlich zu verankern versuchen, bemühen sich die Universitäten im Lande zurecht, Englischkenntnis unter den Studenten zu fördern. Also, sollten unsere Politiker doch bitte runter vom Dorfkirchenturm.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi


 
Datum:  5. März 2011
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Hans-Peter Friedrich und der Islam (05.03.2011, Ss. 4 + 8)

Das Problem dürfte m.E. viel einfacher sein. Die bayrische Verfassung nennt die christliche Religion ausdrücklich, daher auch die Kruzifixe in bayrischen Schulen. Die Verfassung der Bundesrepublik ist in der Hinsicht etwas weltoffener. Ein frischgebackener Innenminister, gerade aus der Provinz in die Bundeshauptstadt gewechselt, muss sich sicherlich erst entsprechend umorientieren.

Wie auch immer, der Innenminister ist ja auch "Verfassungs[schutz]minister" und wird gerade deshalb nicht umhin kommen, sich mit unserer freiheitlich demokratischen Verfassung auch unter besonderer Berück-sichtigung der Religionsfreiheit anzufreunden.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)

Datum:  20. Oktober 2010
An: Den Tagesspiegel
Betreff: “Wulff: Das Christentum gehört zur Türkei” + “Der Rede wert” (20.10.2010, Ss. 1+2)

Als Neudeutscher (erst seit 10 Jahren) fühle ich mich stolz und glücklich, Herrn Wulff auch als meinen Präsidenten bezeichnen zu dürfen!

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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Datum:  10. Oktober 2010
An: Den Tagesspiegel
Betreff: “Islam und Christentum: Das letzte Wort” + “Was ist der Islam?” (10.10.2010, Ss. 1+2)

Gratulation für die objektive und sachkundige Bearbeitung des Themas. Nur ein Aspekt des Problems ist wie mir scheint vielleicht etwas zu kurz gekommen.

(In-)Toleranz zu Andersgläubigen, Staat und Religion, körperliche Strafen, Position der Frau, Verhältnis zur Demokratie, usw., das alles sind eigentlich keine Merkmale einer Religion, ob muslimische, chrsitliche, oder sonstige, sondern der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsstufe einer ethnischen Gemeinde, die den einen oder anderen religiösen Glauben hat. Das ist auch der Grund, warum wir bei einer und derselben Religion mitunter so viele Gesichter zu erkennen meinen.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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Datum:  8. Oktober 2010
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Islam in Deutschland: Wulffs Widerworte (7.10.2010, S. 1)

Bravo, hut ab für Ihren Leitartikel zur Rede des Bundespräsidenten, denn die "Position" von Frau Maron ("Der Islam gehört nicht zu Deutschland", TSp. v. 6.10.2010, S. 6) ist für unseren heutigen Wissenstand (von einem gewissen Herrn Thilo S. mal abgesehen) doch ziemlich ignorant.

Nicht nur dass hochrangige türkische Besucher in Deutschland bereits zu Kaiserszeiten sehr geachtete und willkommene Gäste waren, aber 1899 fing man sogar damit an, die sogenannte "Berlin-Byzanz-Bagdad"-Eisenbahn zu legen. "Byzanz" war dabei die veraltete Bezeichnung für Istanbul. Unsere Geschichten sind enger miteinander verbunden, als manche sich das viellecht vorstellen können oder wollen.

All die Horrorgeschichten über die Scharia und den fundamentalistischen Islam war auch der christlichen Europa noch vor wenigen Jahrhunderten nicht fremd. Aber nicht nur dass das Christentum sechs-sieben Jahrhunderte mehr Zeit gehabt hat, um sich zu liberalisieren, man hat die Modernisierung der meisten Islam-glaubigen Völker durch Kolonialisierung verlangsamt. Wetten aber, dass sie trotzdem weniger als noch 600 Jahre benötigen werden um nachzuholen?

Auch was das heutige Leben betrifft, bezeichnen wir solche Grundbegriffe der täglichen Kultur dieses Landes wie Alkohol und Kaffee mit Wörtern, die letztendlich aus dem Arabischen stammen (al-kuhl, qahwa). Sogar etliche aus dem Griechischen stammenden Begriffe (Gitarre, Kaliber, aus kithara, kalopódion), gelangten wieder nach Europa — und somit auch in die deutsche Sprache — durch Vermittlung des Arabischen (qîtâr, qâlib). Und überhaupt, wie würde wohl unsere Verwaltung ohne Tarifen (Arabisch ta’rif) auskommen? Dieses Lied könnte man noch lange weiter singen.

Wir brauchen die muslimischen Mitbürger für das wohlhaben dieses Landes, und in dem man ihre Integration vorantreibt, verfestigt man auch den Islam als integralen Teil Deutschlands. Wie sollten sie sich sonst denn integrieren, wenn sie zugleich fremd bleiben sollen? Gut dass Herr Wulff das so schlüssig formuliert hat.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)

Die Sache Thilo S.
 
  Datum:  11. September
 An: Den Tagesspiegel
 Betreff: Matthies meint: Grundgesetz, Weisstu? (11.09.2010, S. 1)
Raffiniert! :)

Wenn die bildungsferne und -nähere Thilo-S.-Fans die Integrationsunwilligkeit eines Teils der Einwanderer kritisieren, ist das recht und billig. Wenn ein Herr Dr. Thilo Sarrazin dies tut, ohne dabei zu erwähnen, dass deren Integration bis vor 15-20 Jahren von den Behörden als unerwünscht betrachtet und auch behandelt wurde, ist das unverzeihlich. Politiker können vielleicht im Handumdrehen eine Linienkehrtwendung machen, normale Menschen, zumal aus bildungsfernen Schichten, brauchen viel mehr Zeit. Jeder politisch gebildete Thilo-S.-Apologet ist deshalb eigentlich ein Heuchler.

Was aber für allen, Einwanderer und Einheimischen, insbesondere für Politiker und Beamten gilt, ist unser im Grundgesetz festgelegtes freiheitlich-demokratisches Rechtssystem. Das gilt auch für Freiheit im Sprachgebrauch und in der Kulturorientierung. Man kann deshalb genausowenig einen Türken, Italiener, oder Spanier zwingen, bei uns Deutsch zu sprechen, wie andere Staaten die deutschen Bewohner von Villen und Ferienhäusern in Antalya, der Toskana, oder an der Costa Brava die jeweilige dortige Landessprache aufzuzwingen. Genauso kann man es nicht verbieten, dass ein katholischer Priester die Messe auf Latein hält.

Man kann es auch keinem Verein verbieten, seine weibliche Mitglieder zum Tragen einer Kopfbedeckung zu verpflichten, vorausgesetzt, die haben die freie Möglichkeit, gegebenenfalls aus dem Verein auszutreten. Sonst müsste man ja alle Nonnenkloster schließen. Im übrigen duldet man noch immer, dass manche Sekten ihren Mitgliedern viel tiefergreifende Freiheitsbeschränkungen auferlegen, und gar von einer notwendigen medizinischen Behandlung abhalten.

Zur Integration kann man niemanden zwingen, ganz gleich ob einheimische Hippies, Punks, oder Rocker, turbantragende Sikhs (die ihre Haare niemals schneiden), oder mit Stäbchen essende Chinesen. Sie müssen lediglich an die für allen gleichermaßen geltenden, und niemanden diskriminierenden Gesetzen halten: D.h. vor allem niemanden töten wenn man sich mal in seiner Ehre gekränkt fühlt, genau so wenig wie fremde Luxusautos in Brand setzen, oder Minderjährige zu Straftaten zu animieren oder zwingen.

Integration kann nur auf freiwilliger Basis geschehen, in dem man den Leuten klar macht, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, und vor allem in die ihrer Kinder, sich zu integrieren. Mann könnte eventuel darüber nachdenken, das Arbeitslosengeld zu kürzen wenn jemand durch mangelnde Sprachkenntnisse, oder wegen ungepflegtes Aussehen, schlechter arbeitsvermittelbar ist. Dann müsste man aber für adequate Sprachkursen sorgen, bzw. für entsprechende Wasch- und Haarschneidemöglichkeiten.

Was man nicht tun darf, ist einerseits Freiheit für sich in Anspruch zu nehmen, um gleich im nächsten Atemzug dieselbige Anderen zu verwehren.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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  Datum:  4. September 2010
 An: Den Tagesspiegel
 Betreff: Zu Rück- und Austrittsforderungen an Sarrazin

Die Versuche, Thilo Sarazin aus der SPD rauszubekommen, oder aus seinen Posten bei der Bundesbank, werden immer ein Problem haben wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung, das fest in unserem freiheitlich-demokratischen Rechtssystem verankert ist. Es wundert mich, dass noch keiner darauf gekommen ist, wie er sehr wohl aus einer Stelle entlassen werden könnte, wo ihn das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht schützen wird.

Herr Sarrazin soll in 1973 den Doktortitel an der Universität Bonn erhalten haben. Dabei musste er, wie jeder Frischgebackene Doktor, ein Dokument unterschreiben, das ihm zum Festhalten an Prinzipien der wissenschaftlichen Wahrheitstreue verpflichtet. Mit seiner Ansammlung von Halbwahrheiten und Verdrehungen von Faktenzusammenhängen hat er ziemlich deutlich gegen Grundsätze der wissenschaftlichen Darstellung verstoßen.

Es muss folglich ein Prozeß zur Aberkennung seines Doktortitels an der Uni Bonn in die Wege geleitet werden. Sonst wäre der Wert eines an der Uni Bonn erhaltenen Doktortitels stark beschädigt. Nicht nur, dass der Verlust des Doktortitels seine Eitelkeit wahrscheinlich viel härter treffen würde, als der des SPD-Parteibuches oder seines Bundesbankpostens, aber auch seine Glaubhaftigkeit beim intellektuell weniger geschulten "Fußvolk" wäre dadurch untergraben.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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  Datum:  28. August 2010
 An: Den Tagesspiegel
 Betreff: "Die Stunde der Selbstgerechten" (28.08.2010, S. 1) +
"Stuttmann: Integration ist möglich!!" +
"Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren" (27.08.2010, S. 6)

Ein "Sarrazene" mit Brille — köstlich! Aber der Ulkgehalt der Stuttmann-Karikatur reicht viel weiter als was man vielleicht vom ersten Eindruck mitbekommt. Zur Zeit der Herrschaft der Sarazenen war die arabisch-muslimische Welt wissenschaftlich und technisch der christlich-europäischen weit voraus und überlegen. Falls Herr Sarrazin nun wirklich ein mittlerweile integrierter Nachkomme der Sarazenen wäre, wie in der Karikatur scherzhaft unterstellt, würde das die Integration eigentlich als ungemein schädlich für den Erhalt einer genetisch veranlagten Intelligenz charakterisieren, oder? Jedenfalls wenn das, was er sagt und schreibt, wirklich seinem wahren Wissensstand und Intelligenzniveau entsprechen würde.

Doch ist Thilo Sarrazin wohl in Wirklichkeit ein schelmiger Schlitzohr. Mit seiner provokanten Sammlung von Halbwahrheiten und Verklitterungen hat er wirkungsvoll die heimlichen Gedanken nicht nur derjenigen mit dem intellektuellen Niveau der Boulevard- und Regenbogenpresse, sondern vielleicht sogar der Opfer einer Schulbildung mit Abiturabschluß, der seiner Zeit im internationalen Vergleich relativ schlecht abschloss, offen zum Ausdruck gebracht. Nachdem seine Provokationen die angestrebte öffentliche Aufregung erzielt hat, ist der Markt bereit für sein Buch, das ihn wahrscheinlich reicher machen könnte, als gar sein Bundesbanksalär. Ich jedenfalls falle nicht darauf rein und werde das Buch nicht einmal geschenkt annehmen, geschweige denn kaufen.

Fangen wir an mit seiner These, dass die Intelligenz in der Ober- und Mittelschicht konzentriert sei, so dass ein bevorzugt aus der Unterschicht bestehendes Einwanderertum den Itelligenzdurchschnitt nach unten verschieben würde. Der erstgenannte Sachverhalt stimmt, wenn überhaupt, nur für die freie Gesellschaft eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates, also bestenfalls seit etwa ein bis zwei Jahrhunderte. Gegen Ende des Mittelalters galt das genaue Gegenteil, was auch zu den bürgerlichen Revolutionen führte, die dann die Freiheit einbrachten. Sarazins Schlussfolgerung würde deshalb bestenfalls nur dann stimmen, wenn die Einwanderer aus freiheitlichen bürgerlichen Gesellschaften stammen. In Wirklichkeit kommen sie mehrheitlich aus vor-industriellen Gesellschaften von Entwicklungsländern.

Bei seiner pauschalen Charakterisierungen von Einwanderern, die angeblich nur auf die Sozialleistungen scharf seien, bringt Sarrazin aber noch viel mehr durcheinander. Die erste massive “Einwanderung” aus der Türkei und anderen Südländern, in der Tat großenteils aus der Unterschicht, wurde nämlich staatlich organisiert wegen mangelnder einheimischer Arbeitskräfte. Sie mussten hier hart schuften, und man verdankt nicht zuletzt auch ihrem Beitrag nicht nur den Wirtschaftswunder, sondern auch den Umstand, dass deutsche Arbeiterfamilien gar Urlaub machen konnten in “Malle” und an anderen sonnigen südlichen Stränden. Dass der viel spätere Arbeitslosenstand unter Einwanderern jetzt höher liegt als unter Einheimischen, hat mehrere Ursachen: Viele arbeitslose Einwanderer würden gern arbeiten, dürfen es aber nicht. Andere, die arbeiten dürfen, werden oft bei der Arbeitsbewerbung benachteiligt, und zwar nicht nur vom potenziellen Arbeitgeber. Das alles verschweigt Sarrazin natürlich seinen Lesern.

Ich kann mich noch gut erinneren, wie wütend die Beamten des Arbeitsamtes mehrmals reagierten als ich vor über 30 Jahren, frisch nach Deutschland gekommen, mir selber Arbeit gesucht und gefunden hatte, und dabei schrittweise immer besserbezahlte Arbeitsplätze fand. Einen deutschen Sprachkursus habe ich damals auch aus eigener Initiative besucht, und zwar während ich bereits Arbeit hatte. Währenddessen wurde nicht nur mein Ingenieursdiplom damals nicht anerkannt, ich wurde sogar vom zuständigen Beamten ausgelacht, als ich die Anerkennung meiner Abitur beantragen wollte. Dass ich mich trotzdem in Deutschland erfolgreich beruflich betätigen konnte, verdanke ich der Großherzigkeit und Unterstützung vieler einheimischen Kollegen und Vorgesetzten. Aber es haben sicherlich nicht alle den gleichen Glück gehabt wie ich.

Auch mit seiner These von den vielen Kindern, die Einwandererfamilien haben, treibt Sarrazin Fakten-verklitterung. Lassen wir erstmal außer Acht, wie viele Kinder gläubige einheimische Katholiken (nicht Muslime!) haben. Seit längerer Zeit ist aus der Statistik bestens bekannt, dass sich die Durchschnittszahl der Kinder in Einwandererfamilien mit jeder Folgegeneration derjeniger der einheimischen Familien angleicht. Dass die Folgegenerationen auch besser integriert und assimiliert sind ist ebenfalls gut bekannt (die angleichende Kinderzahl ist ja eine Folge davon). Denn sogar solche Extremereigniße wie sogenannte "Ehren"-Morde würden ja sonst niemals stattfinden. Also werde es nie zu einer “Islamisierung” des Landes kommen; dafür müssten die Deutschen selbst mehrheitlich übertreten. Es kommt allenfalls zu einer weiteren multikulturellen Bereicherung, nicht nur wegen der Einwanderer, sondern infolge der Globalisierung insgesammt. Also genießen sie einen Abend beim Italiäner, Griechen, genauso wie beim Türken oder Libanesen, während die Jüngeren sich bei MacDonalds oder Bürger King reinschauen (und Pommes heissen ja in den Staaten nicht von ungefähr "French, nicht Turkish, fries"). Wenn tatsächlich “der Islam” im Lande in Anmarsch wäre, wieso sprechen die Kids nicht Arabisch-Deutsch sondern Denglisch, und grüßen sich mit "hi" statt mit “salaam”?

Kaufen sie Sarrazins Buch nicht. Es zielt nur auf eine Verdümmung der Öffentlichkeit.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  10. August 2008
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Wen der Muezzin ruft (10.08.08, S. 16)

Die urspuenglichen Artikel fand ich eigentlich gut, aber einige der Leserbriefreaktionen zeigen nun nachtraeglich, dass in den Artikeln vielleicht doch etwas wichtiges unerwaehnt geblieben war.

      « Neben der mittlerweile bekannten Argumentation von islamistischen Fundamentalisten, ist es die offensichtliche Toelpelei von Beamten der Berliner Senatsschulverwaltung, die meinen Aerger hervorruft.»       

— schreibt einer der Leser, und hat in Prinzip voellig recht.

Eigentlich wissen wir natuerlich, dass “Toelpel” unter Politikern und Beamten niemals in fuehrende Positionen gelangen. Aber es sind wohl immer noch unbelehrbare Dinosaurierfossilien zugange, fuer die die Fundamentalisten die letzte Hoffnung darstellen, ein sicheres Negativbild ueber Muslime bzw. Tuerken und Araber in der Oeffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Aber Volksverhetzung ist ja strafbar, Ignoranz (z.B. darueber, dass unser Staat saekulaer ist) hingegen nicht. Also ist man so schlau, sich einfach dumm zu stellen, und vertraut darauf, dass das Rechtsprinzip “in dubio pro reo” einen vor der Entlarvung schuetzt.

Rein juristisch gesehen hat der Briefschreiber in Prinzip deshalb recht, wenn er von “Toelpelei” spricht. Oder vielleicht findet jemand doch letztendlich Hinweise, die einen Hetzmotiv der angeblichen “Toelpel” untermauern lassen?

Mit freundlichen Grueßen,
Waruno Mahdi

Datum:  8. Oktober 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Interview Hirsi Ali (Sonntag-S. 1)

Vielen Dank für den sehr informativen Interview mit Ayaan Hirsi Ali. Frau Hirsi Ali beeindruckt mich vor allem durch ihre außerordentliche Ehrlichkeit. Die Ministerin Rita Verdonk, die sie abschieben wollte, könnte viel von ihre Ehrlichkeit lernen. Wieso die Ministerin meint, die moralischen Voraussetzungen zu erfüllen, Kabinetsmitglied in einem freiheitlich demokratischen Staat wie die Niederlanden zu sein, ist mir ein Rätsel.

Ich Teile zwar nicht die Meinung Hirsi Alis über den Islam, aber ich respektiere nicht nur ihr gutes Recht, ihre Meinung zu haben und sie auszusprechen, ich habe einerseits Verständnis dafür, dass sie jene Meinung vertritt, und bewundere andrerseits den Mut, den sie dabei zeigt. Andere drucken sich bereits vor viel harmloseren und risikoärmeren Fällen von Zivilcourage. Hut ab!

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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Datum:  17. Mai 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Einwanderung: Aus Prinzip pragmatisch (17.05.06, S. 1)

Herr Lehming hat, wie mir scheint, sehr zutreffend gezeigt, inwieweit offenbar System hinter den z.T. hausgemachten Problemen in der Integration von Einwanderern liegt. Insbesondere der Vergleich der Fälle Hirsi Ali (Niederlande) und Familie Aydin (Deutschland) ist überaus lehrreich.

Es gibt da allerdings einen Punkt, die man vielleicht aus taktischen Gründen gern unter den Teppich kehren würde, wie mir scheint aber zu Unrecht: In beiden Fällen war der Feststellung einer Falschaussage ausschlaggebend, und hier liegt eigentlich der Kern des Fehlers im behördlichen Umgang mit Flüchtlingen. Wer noch nie in der Lage eines Flüchtlings war, wird sich das vielleicht nur schwerlich vorstellen können, aber Falschaussage, Dokumentenfälschung und der gleichen mehr ist für einen Flüchtling genausowenig anstößig, wie etwa die Tötung eines bewaffneten Angreifers in Notwehr gesetzeswidrig.

Hirsi Ali und die Familie Aydin unterscheiden sich von der überwiegenden Mehrheit der anerkannten Flüchtlingen allenfalls darin, dass die “Mogeleien” der letzteren unentdeckt blieben. Dafür gibt es zunächst zwei wichtige Gründe:
(1)  Flüchtlinge können selten auf rein legaler Weise die Gefahrenzone verlassen und einen Ort erreichen, wo sie sich sicher fühlen.
(2)  Bürokraten der zuständigen Behörden im Zielland können mit den komplizierten Umständen, die zur Flucht führen, selten etwas anfangen und verlangen von Antragsstellern einfache Erklärungen, die sich bequem in die vorgesehenen Begriffsschubladen einordnen lassen.
Deshalb sollten diverse “Schummeleien” meines Erachtens grundsätzlich als das Recht eines Flüchtlings betrachtet, und ihm niemals zur Last gelegt werden.

Also bräuchte man eigentlich nicht einmal Pragmatismus, sondern schlicht und einfach etwas gesunden Menschenverstand, um das gängige, naiv simplistische Bild vom “ehrlich, fromm und unschuldigen” Fluchtverlauf ad Acta zu legen.

Davon abgesehen besteht in der Darstellung des Falles Aydin, wie mir scheint, ein weitverbreitetes Irrtum. Auch bei der bestehenden Rechtslage ist eine Abschiebung nicht zwingend vorgegeben. Es besteht lediglich ein rechtlich nicht anfechtbarer Grund, die Familie abzuschieben, wenn man das tun will. Man muss sie aber nicht unbedingt abschieben.

Formal hat der Beamte das Recht, eine alte Oma dazu zu zwingen, sich erst ein bestimmtes Dokument am anderen Ende der Stadt zu besorgen. Er muss das aber nicht tun, sondern könnte das Problem auch mit einem Telefonat und einem Fax lösen. Aber er hat vielleicht Angst, dabei das Gefühl der eigenen Macht zu verlieren?

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

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Datum:  28. April 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Das Recht und die Aydins (28.04.06, Ss. 8-9)

Vielen Dank für den gründlichen Bericht von Susanne Güsten und Daniela Martens (S. 9), und das sehr treffliche Kommentar von Gerd Nowakowski (Meinung/S. 8). Mir kommen da zwei Empfehlungen in den Sinn, eine kurze und eine längere.

Die kurze: Der Anwalt der Aydins sollte gegen den Ausweisungsbeschluss beim Verfassungsgericht klagen wegen Verstoßes gegen die guten Sitten.

Die längere: Das Problem bei der Assimilierung von Mitbürgern ausländischen Ursprungs liegt nur zum Teil bei den nicht-assimilierungswilligen unter ihnen; zum anderen Teil vielleicht nicht weniger bei einer renitenten Fraktion unter den zuständigen Beamten. Insbesondere bei der Anerkennung von Flüchtlingen scheint der Ausgang trotz eines Wusts von Gesetzen und Verordnungen nahezu völlig zufällig zu sein.

Immer wieder stellt es sich heraus, dass radikale Fundamentalisten, Terrorverdächtige, sogar “Ehren”-Mörder längst die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, während friedliche, redliche und gut integrierte Antragssteller erst ausgiebig auf der Folterbank gehalten werden, um anschließend abgeschoben zu werden.

Ein guter Anfang wäre vielleicht eine Pflichtstunde für allen, um den Begriff “Ermessensspielraum” durchzuarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  18. Februar 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Rosenmontagszüge ohne M. (18.2.06, S. 32)

Gratuliere ganz herzlich die diesjähreigen Karnevalskomitees für die kluge Entscheidung, die Provokateure islamistischer Ausschreitungen keinen weiteren Zündstoff zu liefern.

Aber der wirkliche Triumph der Assimilierungspolitik wäre erst erreicht, wenn im Rosenmontagszug auch ein Wagen z.B. der lieben deutschtürkischen Mitbürger fährt, etwa mit satyrisch dargestellten ignoranten Mullahs, die gegen freie Ehepartnerwahl, Mädchen in Turnunterricht, Wahl bzw. Nicht-Wahl von Kopfbedeckung, Homoehe, Verwendung von Kondomen usw. usw. wettern.
Vielleicht nächstes Jahr? Oder das Jahr danach?

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  9. Februar 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Positionen / Paula Ramold (09.02.06, S. 10)

Ich fuerchte, dass Sie da einem sehr weitverbreiteten Fehler zum Opfer gefallen sind.

Zensur und Intoleranz, auch viele noch schlimmere Greuel (Steinigen, Handabhacken, Sklaverei), sind genausowenig “muslimisch”, wie Hexenverbrennen “christlich”. In Zentralamerika sind konvertierungs-unwillige “Heiden” von katholischen Spaniern massenhaft und grausamst umgebracht worden, in Taiwan von protestantischen Niederlaendern — sagt das auch nur irgend etwas von christlicher Toleranz?

Es ist weder der Islam, noch das Christentum, der/das von diesen und anderen Greueltaten charakterisiert wird, sondern die jeweils zur jeweiligen Zeit da herrschenden sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsstufen. Die von absoluten Monarchien regierten Laender des Nahen Ostens befinden sich praktisch noch weitgehend im Mittelalter. Dieser fuer unsere Zeit doch sehr eigenartige Zustand ist eigentlich kuenstlich erhalten worden, und zwar durch den Westen selbst, wegen des Oels.

Dort wo das einheimische Buergertum (trotz des Westens, muss man leider nebenbei bemerken) der absoluten Monarchie ein Ende gesetzt hat (zunaechst in der Tuerkei, spaeter in Aegypten, Irak, u.a.), wird man auch einen “anderen Islam” finden. Es ist aber leider auch festzustellen, dass Millionen von Petro-Dollars aus Saudi Arabien in andere Laender fließen (sogar so weit weg wie Indonesien) um oertliche, buergerliche muslimische Gemeinden zu unterwandern und zu radikalisieren (d.h. ins Mittelalterliche zurueck zu fuehren).

Es waere vielleicht hilfreicher, dagegen was zu unternehmen, statt Muslime generell in ein falsches Licht darzustellen. Mann fange erst mit sich selbst an, die eigenen Vorurteile zu ueberwinden. Ich bin übrigens kein Muslim, sondern ein Materialist, der als Kind in eine Missonarschule ging.

Mit freundlichen Grueßen,
Waruno Mahdi

Datum:  4. April 2004
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Islam in Europa bzw. Türkei in die EU

Ich mag die ausgewogene und objektive Art, wie der Tagesspiegel das Thema Islam und türkische Mitgliedschaft in der EU in seiner Berichterstattung und seinen Kommentaren behandelt. Deshalb einen kleinen Beitrag meinerseits über das, was vielleicht in der Diskussion etwas untergegangen ist.

Erstens, der Islam war bereits seit je her in Europa. Mehmet II eroberte Konstantinopel in 1453, knapp vierzig Jahre bevor Granada in 1492 an die Reconquista viel. Also gibt es eine kontinuierlich Präsenz seit Tariq in 711 die seither nach ihm benannte Straße von Gibraltar (Jab al-Tariq) erfolgreich überquerte.

Zweitens, die arabisch-islamische Kultur hat eine wesentliche Rolle darin gespielt, das altgriechische geistige Erbe zu bewahren und aufzuarbeiten, um es im Spätmittelalter an Europa weiter zu leiten. Man sagte damals in Europa, Aristoteles erklärte die Welt, und Averroes (Ibn Rushd) erklärte Aristoteles.

Drittens, ohne darüber wirklich im Klaren zu sein hat man eigentlich bereits vor 40 Jahren die Einbeziehung der Türkei in Europa beschloßen, und zwar als man massenweise türkische "Gastarbeiter" ins Land holte. Man behauptete später sogar, Berlin sei die drittgrößte türkische Stadt geworden — was wohl nicht ganz so stimmt. Aber in West- (und Mittel-)Europa gibt es heute vielleicht mehr Muslime als zusammen in Bosnien, Kosovo und Albanien.

Es geht deshalb nicht darum, dass Europa mit der Türkei eine Brücke in die islamische Welt erhalten würde. Nein, es besteht schon längst eine Brücke der islamische Welt in die Europäische Union, und zwar eine von den Europäern selbst gebaute. Jetzt geht is nur noch darum, die über diese Brücke führende Einbahnstraße für den Zweirichtungsverkehr umzufunktionieren, damit sie gleichzeitig auch eine Brücke Europas in die islamische Welt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  15. Oktober 2000
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Ist das Volk unanständig? (15.10.00, S. 1)

"Ist das Volk unanständig?" Nein. Sonst wäre es damals nicht Lichterketten bildend auf die Straßen gegangen. Aber damals hatte die Wirstschaft noch nicht begriffen, dass das, was sich vordergründig als Ausländerfeindlichkeit äußert, viel mehr deutschlandfeindlich ist. Also durften maßgebliche Politiker noch ungeniert das Boot für voll erklären und sich sogar über “Durchrassung” entgleisen. Jetzt rufen dieselbigen das Volk plötzlich zur Ausländerfreundlichkeit auf.

Nun tragen zwar nur die Allerwenigsten einen Doktortitel, aber das Volk ist weder dumm noch blind. Während der großen Demonstration gegen Ausländerfiendlichkeit hier in Berlin (Hauptredner: Richard von Weizäcker) wurde der damalige Bundeskanzler regelrecht aus dem Demonstrationszug herausgeekelt, weil man seine Anwesenheit für Heuchelei hielt. Nicht allzu überraschend, also, dass das Volk sich inzwischen nicht so leicht von Politikern "entzünden" läßt.

Mir scheint, es geht nicht so sehr darum, dass die Entgleisungen von damals "unmoralisch" wären. Moral ist letztendlich das Quintessenz kulturell akkumulierter Erfahrung vergangener Generationen. Die heutige zurückhaltende Reaktion der Bevölkerung bestätigt, dass die saloppen Sprüche von damals schlichtweg unklug waren, zumindest aber in einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat unprofessionell.

Nun gibt es eine Vielzahl von lang- und kurzfristigen Maßnahmen, die man vorschlagen könnte, aber dies würde die Länge eines Leserbriefes sprengen, also konzentriere ich mich auf das wesentlischste: Ausländerfeindlichkeit halte ich für eine kleinere Randerscheinung von Menschenfeindlichkeit, und diese wiederum für eine Begleiterscheinung zwischenmenschlicher Kälte. Da die meisten Menschen in einem jeden Land die Einheimischen sind, sind hierzulande die Deutschen die eigentlichen Hauptleidtragenden, und zwar nicht weil man etwa Probleme mit der Anwerbung von ausländischen Spezialisten hat.

Ich meine auch nicht Fälle, in welchen deutsche Behinderte oder Touristen von Rechtsradikalen zusammengeschlagen werden. Es sind die unzähligen Bittsteller, die in den Ämtern schickaniert werden, und die Nachbarn, die sich über ihren Maschendrahtzaun bekriegen, dass die BVG gar Psychotherapeuten einsetzen musste, als die Mitarbeiter gehalten wurden, freundlich mit den Passagieren umzugehen. Wir brauchen Gesetze um einen Beamten zur persönlichen Rechenschaft zu ziehen, wenn er eine alte Frau ohne Not von Amt zu Amt schickt, oder die es unmöglich machen, dass die Klage eines Touristen, der sich von der Anwesenheit von Behinderten im gleichen Hotel belästigt fühlt, stattzugegeben, oder die einer Frau wegen des Lärms vom benachbarten Kinderspielplatz. Das ganze zwischenmenschliche Klima muss wärmer werden.

Kurz um, die Deutschen müssen netter zueinander sein, und sich gegenseitig besser vertragen. Dann klapt es auch mit dem (ausländischen) Nachbar. Eile tut Not, denn wir bewegen uns einer geeinten Europa entgegen, und das sind ja lauter Ausländer!

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  17. Januar 1999
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Zur doppelten Staatsbürgerschaft

In der Diskussion über die flexiblere Handhabe von doppelter Staatsbürgerschaft bei der Einbürgerung und über die von der Union geplante Unterschriftenkampagne dagegen, sind einige nicht unwesentliche Umstände vielleicht übersehen worden.

1. 

Wenn man bei der Einbürgerung von Ausländern zu wählen hätte zwischen solchen, die hier nur gekommen sind weil es sich hier besser lebt und nichts mehr von ihren ärmlichen Heimatsdörfern wissen wollen, und solche, die Verantwortungsvoll hier ihre "tägliche Leistungsbereitschaft" unter Beweis stellen, zugleich aber auch ihre Herkunft und Wurzeln nicht vergessen, wen sollte man vorziehen? Das In-Ehren-Halten seines noch so ärmlichen elterlichen Herdes wird vielleicht nicht zufällig nicht nur in der christlichen, sondern wohl in allen Religionen der Welt den Kindern zur Pflicht gelegt. Welches Verhalten würde eher von der Anpassung zu einem Sittenverständnis bezeugen, der einem frischgebackenen Deutschen gebühren würde?

2. 

Die Deutschen leiden unter einem unlösbar erscheinenden sittlichen Dilemma: sie sind ein Volk, für dessen historischen, kulturellen, wissenschatlichen, technologischen, wirtschaftlichen Leistungen man allen Grund hat, sehr stolz zu sein, und, die ein zum verlieben bildschönes Land zum Heimat haben, die jedoch zugleich von der Bürde einer "Erbsünde" erdrückt werden, die ihnen jeglichen Stolz für ihr Land und Volk zu verbieten erscheint. Nun befinden sich viele Ausländer gerade deshalb in Deutschland, weil sie in ihren eigenen Ländern mit Gewaltregimen zu tun gehabt haben. Würden nicht gerade diejenigen unter ihnen, die dennoch die Liebe für ihren Geburtsland zu bewahren gewusst haben, junge Deutschen dazu inspirieren können, von ihrem Land und Volk wieder stolz zu sein, ohne sich vorher in die Klauen rechtsradikaler Rattenfänger zu begeben?

Für manch einen ist das vielleicht lauter "Gefühlsduselei". Dann wäre da ein kleines rein sachliches, rechtliches Problem, womit man auch sie noch konfrontieren könnte:

3. 

In der Vergangenheit konnten einige Ausländer nur deshalb nicht eingebürgert werden, weil die Regierung ihres Herkunftstaates sich weigerte, sie aus ihrer ursprünglichen Staatsbürgerschaft zu entlassen (Beispiel: Iran). Ist der Rechtszustand nicht unerträglich, der einem fremden Staat bestimmen lässt, wen Deutschland bei sich einbürgern darf und wen nicht?

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Datum:  13. Juni 1998
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Sprachpruefung und "Multikulti"

Beamte der Senatsverwaltung des Inneres haben ihren Chef schlecht beraten. Sie haetten ihn rechtzeitig warnen sollen, dass eine Sprachpruefung nur fuer auslaendische Sozialhilfeempfaenger oder Schueler schon wegen des Gleichheitsprinzips rechtlich nicht durchzusetzen waere.

Es bliebe nur die Option, alle der gleichen Pruefung zu unterziehen. Aber was will man dann tun, wenn ein Einheimischer durchfaellt (beim "Idiotentest" soll auch der Eine oder Andere durchgefallen sein), und wenn gleich neben ihn ein Auslaender die Pruefung schafft (kommt ja gelegentlich vor, dass ein Auslaender halbwegs passabel Deutsch kann)? Die Verweigerung der Sozialhilfe bzw. Schulaufnahme waere noch der geringere Teil der Strafe. Er, bzw. beim ABC-Schuetzen sein Vater, koennte sich wohl nie wieder am Stammtisch blicken lassen. Die Mutti muesste vielleicht ueber Schleichwege zum Baecker eines anderen Bezirks. Gegen solchen Unfug gibt es zum Glueck ein weiteres Prinzip aus dem Grundgesetz: die Wuerde des Menschen (zumal die eines Einheimischen) ist unantastbar.

Da sind wir dann bei einem wichtigen Leersatz angekommen, der leider zu oft vergessen wird: Was man jetzt einem Auslaender antut, wird man alsbald einem Einheimischen. Das gilt fuers Zusammengeschlagen-Werden als Tourist genauso, wie dafuer, als hilfsbeduerftiger Opfer behoerdlicher Schickanen zu werden.

Im uebrigen verraet Herr Schoenbohm schlechte Kenntnisse in deutscher Geschichte, insbesondere in berlinischer, wenn er gegen multikulturelle Vielfalt wettert. Sie wurde noch von Friedrich Wilhelm eingefuehrt, als er seinerzeit die Hugenotten ins Land holte. Die besondere Lage Deutschlands in der Mitte Europas, die es einerseits zur Drehscheibe zwischen Ost und West macht, andrerseits aber den Zugang zum ueberseeischen Welthandel erschwert, hat es immer wieder zum eigensten Interesse des Landes gemacht, mal unter Friedrich Wilhelm fachliches Know-How aus Frankreich zu holen, mal Arbeitskraefte in den Gruenderzeiten aus Polen, oder fuers Wirtschaftswunder nach dem Krieg aus den Suedlaendern einzufuehren.

Heute haben wir “Globalisierung”. Deutschland is wie nie zuvor auf Handelserfolg sowohl mit dem ehemaligen Ostblock, wie auch auf fernen Maerkten zwischen Asien und den beiden Amerikas angewiesen. Nichts wird die Deutschen so gut vorbereiten, auf allen diesen Arenen erfolgreich aufzutreten, als der Umgang mit multikultureller Vielfalt bei sich zu Hause.

Doch natuerlich bringt das auch Probeleme mit sich. Ein kleiner Teil der Einheimischen wird sich immer ueberfordert fuehlen (manchmal es auch wirklich sein). Das war bei der Ansiedlung der Hugenotten nicht anders. Es waere aber sicherlich moeglich, statt zu jammern, Wege zu finden, wie man diese Leute helfen koennte.

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© Waruno Mahdi.

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